Les Trois Rois  -  Das Sehnsuchtshotel am Rhein

 

Schon als Kind hat mich das Hotel Les Trois Rois fasziniert. Damals hieß das älteste Grandhotel Europas noch Drei Könige. Der Name war für mich ein Synonym für das Unerreichbare – die Welt der Reichen und Schönen, die sich in meiner kindlichen Phantasie als eine Art Paradies gestaltete.

Abend konnte man je nach Wind vom Ufer des Kleinbasel das fröhliche Lachen der Gäste hören, die sich auf der Terrasse vergnügten. Das Licht das im Rhein reflektierte, funkelte in die Nacht.

Doch erst viele Jahre später sollte ich die Gelegenheit haben das Drei Könige zu betreten. Ich war siebenundzwanzig und wohnte in einem mittelalterlichen Haus am Rheinsprung. Es war spartanisch eingerichtet- überall waren Bücher die sich bis zur Decke stapelten. Ich schlief auf einer Matratze und arbeitete an einem kleinen Tisch den ich auf dem Flohmarkt ergattert hatte und einem Klappstuhl. Dort schrieb ich meinem dritten Roman ´Ein schnelles Leben´.

Oft war ich für Recherchen und Lesungen unterwegs aber wenn ich in Basel war und mir die vier Wände zu eng wurden, spazierte ich hinüber zum Blumenrain zum Drei Könige das nur wenige hundert Meter entfernt war. Dort setzte ich mich in die Lobby oder im Sommer auf die Terrasse blickte auf den Rhein und schrieb.

Manchmal war auch zu einem der Abendanlässe im Drei Könige eingeladen. An einem dieser Anlässe- kam ich mit dem damaligen Direktor Ruedi Schiesser ins Gespräch, der mir spontan das Angebot machte, mich drei Monate im Hotel wohnen zu lassen und zwar in einem Zimmer mit Blick auf den Rhein. Dort sollte ich meinen dritten Roman in Ruhe zu Ende schreiben. Ich zögerte keine Sekunde. Bereits am nächsten Tag zog ich mit dem Laptop unter dem Arm ins schönste und beste Hotel der Stadt.

Dieser Wechsel von karger spartanischer Schreibstube zu fünf-Sterne-Komfort wo ich mir jederzeit per Knopfdruck trinken und essen ins Zimmer bestellen konnte, ohne einkaufen, kochen und aufräumen zu müssen, von allem Alltagsstress befreit ist auch noch im Nachhinein etwas vom Angenehmsten was ich mir vorstellen kann.

Seither kann ich auch nachvollziehen warum es Menschen gibt, die es vorziehen im Hotel zu leben. Ganz besonders Schriftsteller schätzen das Leben im Hotel. Ernest Hemingway, Oscar Wilde oder Simon de Beauvoir lebten zeitweise jahrelang im Hotel – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Die österreichische Schriftstellerin Vicky Baum gar machte das Hotel zum Hauptschauplatz ihres berühmten Romans „Menschen im Hotel.“

In den drei Monaten im Hotel machte ich die Erfahrung dass das Leben in einer Transitzone enorm inspirierend ist. Hinzu kommt der maximale Komfort den so ein fünf Sterne Haus bietet. Kaum verlässt man das Zimmer kommen unsichtbare Hände und räumen alles weg. Sämtliche Spuren die man hinterlässt werden weggewischt. Alles wird einem abgenommen. Eine perfekte Daseinsform. Ich konnte allein sein wenn ich wollte aber auch teilnehmen an den schönen und teilweise glamourösen Abendveranstaltungen. Ich liebte es mich in Abendkleider zu werfen, mich mit Menschen zu unterhalten um, sobald ich genug hatte, wieder in meinem Zimmer zu verschwinden. Ich erlebte meine Heimatstadt Basel gleichermaßen wie eine Touristin. Wenn ich Gäste beim Frühstück über ihre Tagesausflüge reden hörte, bekam ich plötzlich selber Lust mir die Sehenswürdigkeiten anzuschauen, mit den neugierigen Augen einer Fremden die alles zum ersten Mal sieht.

Auch nach den drei Monaten und nachdem der Roman ein schnelles Leben veröffentlichte wurde, ging ich in dem Hotel ein und aus. Es war mit Abstand mein Lieblingstreffpunkt. Da ich in mein asketisches Schreibzimmer am Rheinsprung niemanden rein ließ, und schon gar keine Journalisten, wurde das Les Trois Rois zur Kulisse für dutzende von Interviews und Fotoshootings. Schließlich fühlte ich mich hier zu Hause. Dabei wurde jede Ecke ausgelotet. Es gab Interviews im Zimmer 421, der Bibliothek, der Napoleon Suite, im Restaurant, der Bar und auf der Terrasse.

Seit meiner Zeit im Les Trois Rois habe ich ein ausgesprochenes Faible für Hotels und ich darf mich glücklich schätzen, dass ich inzwischen dutzende von fünf Sterne Hotels besuchen konnte, sowohl privat aber auch als Journalistin für das Magazin.  In all den Jahren bin ich auch immer wieder in das Les Trois Rois zurückgekehrt.

Noch gut erinnere ich mich an die Eröffnung nach der Renovation im Jahre 2006. 

Ich durfte die Transformation des Hauses miterleben und ich kann sagen, es ist mit zunehmendem Alter immer nur schöner geworden. Was das Les Trois Rois einzigartig macht ist nicht nur der besondere Charme eines kleinen Grandhotels und seine lange Geschichte - es geht bis in das Jahr 1681 zurück - , sondern die unglaubliche Liebe zu den Details, die man bei der Renovation walten ließ. So wurde darauf geachtet, dass alles nach den Originalplänen wieder rekonstruiert wird. Dabei scheute man weder Mühe noch Kosten. Selbst die Figuren der Drei Könige, die an der Fassade über dem Eingang wachen, wurden nach alten Illustrationen entsprechend renoviert.

Wunderschön sind die Doppelkronleuchter aus Murano im Atrium die man von jedem Stockwerk aus bewundern kann. Im ganzen Haus zieren antike Möbel die Zimmer, perfekt abgestimmt auf die Teppiche, Stoffe, Vasen und Bilder die alles in allem eine wahre Augenweide ergeben und einen immer wieder zum Innehalten anregen. Besonders erfreulich sind die qualitativ hochwertigen Gemälde von Schweizer Künstlern insbesondere der Baselerin Irene Zurkinden, die das gesamte Haus schmücken.

Das Motto welches den Geist des Les Trois Rois heute ausmacht heißt: Rich in history, young at heart. Man ist stolz auf die Tradition, aber auch offen für neues. Das war das Les Trois Rois schon immer- auch das macht den besonderen Charme und die Atmosphäre des Hauses aus.

Vielleicht ist es für ein Hotel das jährlich die weltgrößte Kunstmesse beherbergt auch gar nicht anders möglich. Dass das Les Trois Rois kunstinnig ist, sieht man auch der hoteleigenen Bentley Limousine an. Diese wurde von Schülern mit Graffiti gestaltet. Luxus mit einem Augenzwinkern.

Daß das Les Trois Rois auch noch eines der besten Restaurants der Schweiz vorzuweisen hat, darf man getrost ein Glücksfall nennen.

Schon als ich das Les Trois Rois mein zu Hause nennen durfte, gehörte das Restaurant Cheval Blanc zu den Besten, doch in der Zwischenzeit hat es sich unter drei-Sterne-Koch Peter Knogl zur absoluten Weltklasse entwickelt. Peter Knogl erkochte sich hier drei Sterne – auch da dürfte der offene und inspirierende Geist mitgewirkt haben den das Les Trois Rois so einzigartig macht.


Interview mit Peter Knogl

 

 

P&T: Woher nehmen sie die Ideen für ihre Gerichte und wie lange dauert es bis sie ein neues Gericht entwickelt haben?

 

Die Ideen stammen von vielen Reisen und Erfahrungen während meiner beruflichen Laufbahn. Bei einer neuen Kreation versuche ich immer mich in die Situation des Gastes zu versetzten, was denkt er, was schmeckt er. Es kann eine Woche dauern oder gar Monate, das ist verschieden. Ein neues Gericht muss immer besser sein als das bestehende Gericht. Das ist die Herausforderung.

 

 

P&T: Sie waren Küchenchef bei Heinz Winkler. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

 

Ich habe viele Jahre zuvor schon mit Heinz Winkler zusammen gearbeitet (in München und Marbella), wir kannten uns einander schon.

 

 

P&T: Gab es ein Erlebnis in ihrer Kindheit oder Jugend die sie dazu gebracht hat Koch zu werden?

 

Das gute Essen meiner Mutter, durch welche ich die Verbundenheit zur Natur und Herkunft der Produkte zu schätzen gelernt habe. Dies war ausschlaggebend für meinen Berufswunsch.

 

 

P&T: Was ist ihre Lieblingsspeise und was ist immer bei ihnen zu Hause im Kühlschrank?

 

Rib Eye mit einer guten Sauce Bernaise. Und Butter hat einen festen Platz im Kühlschrank.

 

 

P&T: Was glauben Sie wie sich die Spitzenküche in Zukunft entwickeln wird - was sind die Trends?

 

Trends wird es immer geben, gerade die vegetarische Küche ist momentan sehr nachgefragt. Aber ich glaube es wird wieder zurückgehen auf die klassische Produktküche.

 

 

P&T Gab es im Laufe ihrer Karriere ein kulinarisches Erlebnis das absolut unvergesslich war?

 

Ein Essen bei Philippe Rochat in 2004. Das beste Essen meines Lebens.

 

 

P&T Von welchem Koch würden sie sich am liebsten bekochen lassen?

 

Martin Berasategui.

 

 

P&T Sie kochen seit über 10 Jahren im Cheval Blanc und haben sich in der Zeit drei Sterne erkocht. Was bedeutet das Haus für sie?

 

Das Hotel ist der Ort an dem sich meine Wirkungsstätte befindet, hier kann ich auf viele Erfolge zurück blicken. Ein Ort an dem ich mich wohlfühle.

 

 

VIELEN DANK!